Ägypten und Arabien. Ein Beitrag zu den interkulturellen Beziehungen Altägyptens. (AOAT 420)

Ägypten und Arabien. Ein Beitrag zu den interkulturellen Beziehungen Altägyptens. (AOAT 420)

Herausgeber / Editor(s)

Angelika Berlejung, Manfried Dietrich, Holger Gzella, Enrique Jiménez

Autor / Author

Gunnar Sperveslage

Beschreibung / Description

Ägyptische und ägyptisierende Funde von verschiedenen archäologischen Stätten der Arabischen Halbinsel sowie epigraphische Quellen zeichnen ein differenziertes Bild der Kontakte zwischen Ägypten und Arabien in vorislamischer Zeit. Mit der vorliegenden Studie werden diese erstmals ausführlich behandelt und in einen Gesamtkontext gestellt. Zwar sind die Quellen insgesamt nicht sehr dicht, zeigen dafür aber eine große Varianz und eine lange zeitliche Erstreckung. Kontakte bestanden mindestens seit dem Mittleren Reich, wie die Funde von Sabir-Keramik in Mersa Gawasis belegen, und reichen bis in die römische Epoche. Vor allem die archäologischen Grabungen in Tayma und Qaryat al-Faw haben in den vergangenen Jahren interessantes Fundmaterial geliefert, das neues Licht auf die Beziehungen nach Ägypten wirft. Nicht nur ägyptische Objekte in Form von Amuletten und Skarabäen sind in Siedlungs- wie auch in Grabkontexten gefunden worden, sondern auch Motivadaptionen im religiösen Bereich. Der ägyptische Einfluss auf die Oasen, die entlang der Weihrauchstraße ökonomische Zentren mit multikultureller Bevölkerung waren und Kontakte zu den unterschiedlichen Nachbarkulturen pflegten, wird so in vielerlei Hinsicht greifbar. In der diachronen Entwicklung zeigt sich, dass in der frühen Eisenzeit vor allem ägyptische Objekte nach Arabien gelangt sind, während in der Mitte des 1. Jt. v.Chr. zunehmend Motiv-übernahmen und lokale Adaptionen ägyptischer Elemente beobachtet werden können.

Inhaltsverzeichnis / Table of Contents

Vorschau / Preview

Bibliographische Angaben / Bibliographic information

Reihe / Series + Nummer / Number: AOAT 420

 

ISBN: 978-3-86835-155-2

 

Erscheinungsjahr / Publishing year: 2019

 

Seitenanzahl / Number of pages: xii + 482 pp., 208 Abb.

Korrektur / correction

4.2.1. Ägyptisierende Stierdarstellungen in Tayma

Im Nordwesten der Oase von Tayma befindet sich der Gebäudekomplex von Qasr al-

Hamra (Abb. 200). Es handelt sich um ein vielfach untergliedertes Steingebäude, das

auf einem in die Sebkha hineinragenden Felsrücken liegt und somit eine sehr

exponierte Lage einnimmt.5

 

Die Funktion des Gebäudes ist bislang nicht eindeutig geklärt. Bei den 1979 durchgeführten Grabungen wurde im nördlichen Bereich von Qasr al-Hamra ein Raum (Raum 1) freigelegt, der eine Reihe von Objekten enthielt, die eine Interpretation dieses Raumes als Schrein oder Heiligtum erlauben.6

 

In der Südwestecke von Raum 1 befand sich ein Sandsteinkubus in situ sog. „Hamra-

Kubus“, Abb. 131–133), der an den beiden in den Raum weisenden Schauseiten mit

Stierdarstellungen in ägyptischer Ikonographie dekoriert ist (Kap. 4.2.1.1.). Dazu

wurde in demselben Raum, unweit des Kubus, eine Stele (sog. „Hamra-Stele“, Abb.

135–138) freigelegt (Kap. 4.2.1.2.). Die Stele ist aus Sandstein und ist ebenfalls mit

ägyptischen Elementen versehen, befand sich allerdings nicht mehr an ihrem

ursprünglichen Aufstellungsort. In der näheren Umgebung wurden Opfertafeln, ein

Becken, Fragmente von Steingefäßen und ein Weihrauchbrenner gefunden.7

 

1 Vgl. Farès-Drappeau (2005: 124).

2 Gerlach (2000).

3 Curtis (2008).

4 Vgl. u.a. Feldman (2006).

5 Bawden/Edens/Miller (1980: 82–86); Abu Duruk (1986: 56–70); Abu Duruk/Murad (1985);

(1086); (1988).

6 Vgl. Hausleiter (2012a: 304–310).

7 Abu Duruk (1986: Abb. 10); Abu Duruk/Murad (1985: 61, 101, Taf. 66A, 67A, 68A); siehe

Elemente, ebenso wie der Fund des Kopfes einer Stierskulptur und eines

Weihrauchbrenners in einem weiteren Raum (Raum O1) deuten auf eine sakrale

Funktion hin.8

 

Für die übrigen Räume ließ sich bisher keine Funktion belegen. Lage,

Ausstattung und Architektur lassen Qasr al-Hamra als ein repräsentatives Gebäude

erscheinen, das möglicherweise Funktionen eines Palastes mit denen eines

Heiligtums vereinte. Stele und Kubus werden aufgrund der aramäischen

Steleninschrift in das 5.–4. Jh. v.Chr. datiert und befinden sich heute im

Nationalmuseum von Riad.9

 

Im Folgenden werden beide Objekte kurz beschrieben, bevor in Kap. 4.2.1.3. die

ägyptische Stierikonographie diskutiert wird.

 

4.2.1.1. Der Kubus aus Qasr al-Hamra

Der Hamra-Kubus besteht aus Sandstein und misst 38 x 39 x 41 cm (Abb. 131–133).10

 

Er weist zwei aneinandergrenzende Schauseiten auf, die mit Darstellungen versehen

sind. Die beiden übrigen Seiten sowie die Ober- und Unterseite sind undekoriert, da

sie in der Ecke des Raumes gegen die Wände gesetzt und so nicht sichtbar waren.

Auf der einen Seite zeigt der Kubus einen Stierkopf in Frontalansicht auf einem

dreistufigen Podest. Von den Ohren des Stieres hängen Schmuckbänder herab,

zwischen den Hörnern befindet sich eine Scheibe. Rechts des Bukraniums steht ein

Weihrauchbrenner auf einem hohen Fuß, über dem sich eine geschwungene Linie

befindet. Da diese Linie im unteren Bereich zum Weihrauchbrenner hingebogen ist,

handelt es sich nicht um die Reste einer Umrahmung des Sternsymbols, sondern um

eine Rauchfahne, die vom Weihrauchbrenner in Richtung des Stierkopfes weht. Links

befindet sich ein Priester, der Opfergaben darbringt. Zwischen dem Priester und dem

Bukranium steht ein zweiter, kleinerer Weihrauchbrenner. Oberhalb der Szene sind

die mesopotamischen Göttersymbole Flügelsonne, Mond und Stern dargestellt.11

 

Die Flügelsonne in assyrischem Stil befindet sich in der linken oberen Ecke oberhalb des

Priesters, der Mond in der rechten Ecke über dem Weihrauchbrenner, zwischen Mond

und Weihrauchbrenner befindet sich ein zehnstrahliger Stern. Die Darstellung des

Mondes ist tiefer in den Stein eingeschnitten als die übrigen Symbole und

Darstellungen. Zudem ist im Bereich der Mondsichel eine markante Vertiefung im

Stein zu erkennen, die darauf hindeuten könnte, dass eine Veränderung am Bildfeld

vorgenommen wurde. Wie die Szene ursprünglich aussah, lässt sich nicht mehr

erkennen. Entweder befand sich an der Position des Mondes ursprünglich ein anderes

göttliches Symbol oder die Darstellung des Mondes wurde korrigiert.

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